Hörbare Kritik am Zukunftsdepot-Entwurf (Florian Beckermann / Christian Drastil)

Hören: https://open.spotify.com/episode/4kMiTssMdOpSfgBxrHBSWa

Die Kapitalmarktstimme.at Daily Voice hat sich in der Episode „IVA von Zukunftsdepot-Entwurf enttäuscht, Nachteile für Österreichische Aktien“ mit den bekannt gewordenen Details zum geplanten Zukunftsdepot befasst. Host Christian Drastil sprach dazu mit Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger (IVA), der in einer Aussendung deutliche Kritik geäußert hatte.

Der Anlass: Eine Aussendung mit klarer Botschaft

Der IVA hat seine Pressemeldung mit „Zukunftsdepot ohne Aktien und mit fehlender Zukunftsperspektive“ überschrieben. Laut Beckermann ist das Zukunftsdepot aktuell das beherrschende Thema der gesamten österreichischen Kapitalmarktszene. Die Details seien in den vergangenen Tagen vor allem über Medien und Informationsgespräche bekannt geworden. Was dabei präsentiert wurde, habe den Verband „eher enttäuscht“.

Die Enttäuschung beschränke sich nicht auf den IVA. Beckermann verweist auf den ersten Tag der Gewinnmesse, an dem die allgemeine Enttäuschung in der Branche groß gewesen sei. Eine Ausnahme sieht er bei den Banken, die „vielleicht ein wenig glücklich“ seien. Die Branche selbst sei aber wirklich enttäuscht.

Die Erwartungen waren offenbar höher. Enttäuschung bedeute, so Beckermann, dass man mehr erwartet habe, nämlich echte Kapitalmarktanreize, eine Aktienkultur und eine Kapitalmarktförderung. Die bekannten Details wirkten dagegen wie eine „Kapitalmarktförderung mit angezogener Handbremse“.

Drei zentrale Kritikpunkte des IVA

Der IVA hat nach Angaben Beckermanns mehrere Elemente herausgearbeitet:

  1. Keine Einzelaktien: Als Aktionärs- und Anlegerschützer vermisst der Verband, dass Aktien, insbesondere österreichische Einzelaktien, nicht ins Zukunftsdepot aufgenommen werden sollen.
  2. Fonds und ETFs als Alternative: Stattdessen sind Fonds oder ETFs vorgesehen. Diese hätten laut Beckermann „alle ihre eigenen strukturellen Probleme“. Zudem hänge ein Steuerthema damit zusammen.
  3. Ende mit 18: Das Zukunftsdepot endet mit dem 18. Geburtstag. Ein weiterreichendes Programm für eine echte Zukunftsperspektive und für das Schließen der Versorgungslücke fehlt. Beckermann nennt dies einen der größeren Kritikpunkte.

Dividenden, KESt und die Folgen für den heimischen Markt

Der Host verweist auf die Dividendenstärke Österreichs: Die heimischen Unternehmen schütten im internationalen Vergleich verlässlich aus, was zur DNA des österreichischen Kapitalmarkts gehöre. Im Konzept des Zukunftsdepots spielten weder österreichische Aktien noch Dividenden eine Rolle.

Beckermann greift einen Punkt aus der „Gerüchteküche“ auf. Demnach sollen Dividenden während der Laufzeit des Zukunftsdepots weiterhin der Kapitalertragsteuer (KESt) unterliegen. Das hält er für „total kontraproduktiv“ gegenüber den Gegebenheiten des heimischen Marktes. Der österreichische Kapitalmarkt sei dividendenstark. Die Wertentwicklung eines Portfolios mit österreichischen Titeln speise sich daher wesentlich aus der Dividendenperformance.

Werde diese Komponente steuerlich abgeschnitten, blieben vor allem Fonds mit thesaurierenden Produkten übrig. Thesaurierend bedeutet, dass Erträge im Fonds verbleiben und wieder angelegt werden, statt ausgeschüttet zu werden. Solche Produkte gebe es vor allem bei US-Titeln. Beckermann fragt deshalb: „Also fördern wir jetzt US-Titel?“ Ob das dem Finanzminister recht sei, wisse er nicht. Er bezeichnet das als „ein bisschen komisch“.

Der Host ergänzt, dass auch andere Länder mit derartigen Programmen eine volkswirtschaftliche Stärkung des eigenen Landes geschafft hätten. Im Trend zum weltweiten Portfolio, der an sich nichts Schlechtes sei, werde dieser Aspekt oft nicht mitgedacht.

Behaltefrist, Steueraufkommen und politische Kompromisse

Drastil berichtet von einem Gespräch mit Christoph Boschan am Vormittag. Dabei sei es auch um das „Giesskannengeld“ gegangen, die 500 Euro, die der Staat zum Start gibt. Seine Sicht: Der Staat gebe hier Geld aus, das es eigentlich nicht gibt.

Die überzeugende Geschichte wäre aus Sicht des Hosts eine andere gewesen. Über eine Behaltefrist hätten mehr Menschen an den Kapitalmarkt herangeführt werden können. Über den Dividenden-Case, den er für unstrittig hält, hätte sich sogar das Steueraufkommen steigern lassen. Diese Argumentation sei in der aktuellen Diskussion verschwunden.

Sein persönlicher Eindruck: Jede Partei habe ihre eigene DNA einbringen wollen, und das Ergebnis sei „ein bisschen ein Murks“. Das ist die Einschätzung des Hosts, nicht des IVA.

Versorgungslücke: Warum das Depot mit 18 abbricht

Zum Kernkritikpunkt erläutert Beckermann den Mechanismus. Nach aktuellem Stand würde das Portfolio mit dem 18. Geburtstag als Startkapital gelten. Ab diesem Zeitpunkt fiele KESt auf alle Gewinne an, also auf Dividenden und Kurssteigerungen. Als Startkapital für eine Wohnung, eine Ausbildung oder den Berufseinstieg sei das durchaus gut.

Das Problem liegt für ihn woanders. Die arbeitende Bevölkerung, die Generationen davor und danach sowie viele junge Menschen, die während der Pandemie eingestiegen sind und heute etwa 25 Jahre alt sind, steuerten laut Beckermann auf eine Unterversorgung durch die erste Säule zu. Das zeige sich auch im Budget. Die zweite Säule sei in Österreich nicht so deutlich ausgeprägt. Diese Lücke heißt Versorgungslücke.

Der IVA hat nach Beckermanns Worten ein Interesse daran, dass sie nicht entsteht. Dafür nennt er drei Ansatzpunkte:

  • kapitalgedeckte Elemente in der ersten Säule (gesetzliche Pension),
  • eine Stärkung der zweiten Säule (betriebliche Altersvorsorge),
  • eine langfristige Unterstützung der dritten Säule (selbstständige Altersvorsorge), die für Kapitalmarktinteressierte im Mittelpunkt steht.

Genau bei der dritten Säule breche das Zukunftsdepot ab. Es lasse den Anleger „wieder allein“.

Begutachtung: Noch ist nichts beschlossen

Beckermann betont, dass es das Gesetz noch nicht gibt. Es folge eine Begutachtung. Er hofft, dass sich dabei „das eine oder andere Element“ einbringen lässt, das das Ganze nachhaltiger für den Markt macht.

Zu seiner Rolle sagt er, der IVA werde sich im Begutachtungsprozess einbringen. Eine ganze Reihe von Gesetzen müsse geändert werden, vor allem das Einkommensteuergesetz. Der Verband werde alle diese Elemente begutachten. Auf die Frage, ob er nur E-Mails schicken könne, antwortet er mit einem Schmunzeln, er schicke „dauernd E-Mails“.

Kursangebot für Eltern, Großeltern und Interessierte

Unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren plant der IVA ein Bildungsangebot. Es werde viele Fragen zum Zukunftsdepot geben, vor allem von Menschen, die bisher kaum Berührung mit dem Kapitalmarkt hatten. Zudem gebe es Eltern, die die 500 Euro nicht in Bundesschätze investieren wollen.

Der Kurs steht laut Beckermann bereits fest. Er soll Basisinformationen zum Zukunftsdepot vermitteln und das Thema Anlegerschutz in diesem Zusammenhang behandeln. Das Angebot richtet sich an IVA-Mitglieder, aber auch an alle anderen interessierten Eltern, Großeltern und weitere Personen.

Fazit

  • Der IVA ist vom bekannt gewordenen Entwurf zum Zukunftsdepot enttäuscht. Er sieht eine Kapitalmarktförderung „mit angezogener Handbremse“.
  • Kritisiert werden vor allem das Fehlen von Aktien, besonders österreichischer Einzelaktien, die Beschränkung auf Fonds und ETFs und die mögliche weitere KESt-Pflicht auf Dividenden.
  • Die Dividendenstärke des heimischen Marktes käme dadurch nicht zum Tragen. Thesaurierende Produkte, die vor allem aus den USA stammen, würden bevorzugt.
  • Mit dem 18. Geburtstag endet das Programm. Eine Antwort auf die Versorgungslücke und auf die Stärkung der dritten Säule fehlt aus Sicht des IVA.
  • Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Der IVA will sich in der Begutachtung einbringen und bietet parallel einen Kurs für Interessierte an.


Bildnachweis

1. Audio-CD.at mit Archiv-Zusätzen



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Die Enttäuschung beschränke sich nicht auf den IVA. Beckermann verweist auf den ersten Tag der Gewinnmesse, an dem die allgemeine Enttäuschung in der Branche groß gewesen sei. Eine Ausnahme sieht er bei den Banken, die „vielleicht ein wenig glücklich“ seien. Die Branche selbst sei aber wirklich enttäuscht.

Die Erwartungen waren offenbar höher. Enttäuschung bedeute, so Beckermann, dass man mehr erwartet habe, nämlich echte Kapitalmarktanreize, eine Aktienkultur und eine Kapitalmarktförderung. Die bekannten Details wirkten dagegen wie eine „Kapitalmarktförderung mit angezogener Handbremse“.

Drei zentrale Kritikpunkte des IVA

Der IVA hat nach Angaben Beckermanns mehrere Elemente herausgearbeitet:

  1. Keine Einzelaktien: Als Aktionärs- und Anlegerschützer vermisst der Verband, dass Aktien, insbesondere österreichische Einzelaktien, nicht ins Zukunftsdepot aufgenommen werden sollen.
  2. Fonds und ETFs als Alternative: Stattdessen sind Fonds oder ETFs vorgesehen. Diese hätten laut Beckermann „alle ihre eigenen strukturellen Probleme“. Zudem hänge ein Steuerthema damit zusammen.
  3. Ende mit 18: Das Zukunftsdepot endet mit dem 18. Geburtstag. Ein weiterreichendes Programm für eine echte Zukunftsperspektive und für das Schließen der Versorgungslücke fehlt. Beckermann nennt dies einen der größeren Kritikpunkte.

Dividenden, KESt und die Folgen für den heimischen Markt

Der Host verweist auf die Dividendenstärke Österreichs: Die heimischen Unternehmen schütten im internationalen Vergleich verlässlich aus, was zur DNA des österreichischen Kapitalmarkts gehöre. Im Konzept des Zukunftsdepots spielten weder österreichische Aktien noch Dividenden eine Rolle.

Beckermann greift einen Punkt aus der „Gerüchteküche“ auf. Demnach sollen Dividenden während der Laufzeit des Zukunftsdepots weiterhin der Kapitalertragsteuer (KESt) unterliegen. Das hält er für „total kontraproduktiv“ gegenüber den Gegebenheiten des heimischen Marktes. Der österreichische Kapitalmarkt sei dividendenstark. Die Wertentwicklung eines Portfolios mit österreichischen Titeln speise sich daher wesentlich aus der Dividendenperformance.

Werde diese Komponente steuerlich abgeschnitten, blieben vor allem Fonds mit thesaurierenden Produkten übrig. Thesaurierend bedeutet, dass Erträge im Fonds verbleiben und wieder angelegt werden, statt ausgeschüttet zu werden. Solche Produkte gebe es vor allem bei US-Titeln. Beckermann fragt deshalb: „Also fördern wir jetzt US-Titel?“ Ob das dem Finanzminister recht sei, wisse er nicht. Er bezeichnet das als „ein bisschen komisch“.

Der Host ergänzt, dass auch andere Länder mit derartigen Programmen eine volkswirtschaftliche Stärkung des eigenen Landes geschafft hätten. Im Trend zum weltweiten Portfolio, der an sich nichts Schlechtes sei, werde dieser Aspekt oft nicht mitgedacht.

Behaltefrist, Steueraufkommen und politische Kompromisse

Drastil berichtet von einem Gespräch mit Christoph Boschan am Vormittag. Dabei sei es auch um das „Giesskannengeld“ gegangen, die 500 Euro, die der Staat zum Start gibt. Seine Sicht: Der Staat gebe hier Geld aus, das es eigentlich nicht gibt.

Die überzeugende Geschichte wäre aus Sicht des Hosts eine andere gewesen. Über eine Behaltefrist hätten mehr Menschen an den Kapitalmarkt herangeführt werden können. Über den Dividenden-Case, den er für unstrittig hält, hätte sich sogar das Steueraufkommen steigern lassen. Diese Argumentation sei in der aktuellen Diskussion verschwunden.

Sein persönlicher Eindruck: Jede Partei habe ihre eigene DNA einbringen wollen, und das Ergebnis sei „ein bisschen ein Murks“. Das ist die Einschätzung des Hosts, nicht des IVA.

Versorgungslücke: Warum das Depot mit 18 abbricht

Zum Kernkritikpunkt erläutert Beckermann den Mechanismus. Nach aktuellem Stand würde das Portfolio mit dem 18. Geburtstag als Startkapital gelten. Ab diesem Zeitpunkt fiele KESt auf alle Gewinne an, also auf Dividenden und Kurssteigerungen. Als Startkapital für eine Wohnung, eine Ausbildung oder den Berufseinstieg sei das durchaus gut.

Das Problem liegt für ihn woanders. Die arbeitende Bevölkerung, die Generationen davor und danach sowie viele junge Menschen, die während der Pandemie eingestiegen sind und heute etwa 25 Jahre alt sind, steuerten laut Beckermann auf eine Unterversorgung durch die erste Säule zu. Das zeige sich auch im Budget. Die zweite Säule sei in Österreich nicht so deutlich ausgeprägt. Diese Lücke heißt Versorgungslücke.

Der IVA hat nach Beckermanns Worten ein Interesse daran, dass sie nicht entsteht. Dafür nennt er drei Ansatzpunkte:

  • kapitalgedeckte Elemente in der ersten Säule (gesetzliche Pension),
  • eine Stärkung der zweiten Säule (betriebliche Altersvorsorge),
  • eine langfristige Unterstützung der dritten Säule (selbstständige Altersvorsorge), die für Kapitalmarktinteressierte im Mittelpunkt steht.

Genau bei der dritten Säule breche das Zukunftsdepot ab. Es lasse den Anleger „wieder allein“.

Begutachtung: Noch ist nichts beschlossen

Beckermann betont, dass es das Gesetz noch nicht gibt. Es folge eine Begutachtung. Er hofft, dass sich dabei „das eine oder andere Element“ einbringen lässt, das das Ganze nachhaltiger für den Markt macht.

Zu seiner Rolle sagt er, der IVA werde sich im Begutachtungsprozess einbringen. Eine ganze Reihe von Gesetzen müsse geändert werden, vor allem das Einkommensteuergesetz. Der Verband werde alle diese Elemente begutachten. Auf die Frage, ob er nur E-Mails schicken könne, antwortet er mit einem Schmunzeln, er schicke „dauernd E-Mails“.

Kursangebot für Eltern, Großeltern und Interessierte

Unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren plant der IVA ein Bildungsangebot. Es werde viele Fragen zum Zukunftsdepot geben, vor allem von Menschen, die bisher kaum Berührung mit dem Kapitalmarkt hatten. Zudem gebe es Eltern, die die 500 Euro nicht in Bundesschätze investieren wollen.

Der Kurs steht laut Beckermann bereits fest. Er soll Basisinformationen zum Zukunftsdepot vermitteln und das Thema Anlegerschutz in diesem Zusammenhang behandeln. Das Angebot richtet sich an IVA-Mitglieder, aber auch an alle anderen interessierten Eltern, Großeltern und weitere Personen.

Fazit

  • Der IVA ist vom bekannt gewordenen Entwurf zum Zukunftsdepot enttäuscht. Er sieht eine Kapitalmarktförderung „mit angezogener Handbremse“.
  • Kritisiert werden vor allem das Fehlen von Aktien, besonders österreichischer Einzelaktien, die Beschränkung auf Fonds und ETFs und die mögliche weitere KESt-Pflicht auf Dividenden.
  • Die Dividendenstärke des heimischen Marktes käme dadurch nicht zum Tragen. Thesaurierende Produkte, die vor allem aus den USA stammen, würden bevorzugt.
  • Mit dem 18. Geburtstag endet das Programm. Eine Antwort auf die Versorgungslücke und auf die Stärkung der dritten Säule fehlt aus Sicht des IVA.
  • Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Der IVA will sich in der Begutachtung einbringen und bietet parallel einen Kurs für Interessierte an.


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